Letzte öffentliche Hinrichtung am Domshof. Giftmörderin Gesche Gottfried 1831

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Der Domshof gehörte bis 1803 zum Dombezirk, war jedoch immer zugänglich. Im 18. Jahrh. Diente er als Paradeplatz, bis 1785 wurde hier auch der dann in die Neustadt verlegte Schweinemarkt abgehalten. 1798 wurde der Domshof geebnet und teilweise bepflanzt und gepflastert. Größere Gebäude entstanden erst im 19. Jahrh., vornehmlich Hotels und Gasthöfe, da von hier aus die Postkutschen nach Bremervörde, Oldenburg, Hamburg, Stade und Osnabrück abgingen. 1823 wurden die Bäume gefällt.

Der Domshof sah Hinrichtungen, als letzte die Enthauptung der Giftmörderin Gesche Gottfried 1831. Der 1899 aufgestellte Teichmannbrunnen wurde beim Bau eines Luftschutzbunkers 1940 abgebrochen. Der Domshof dient vor-mittags als Wochenmarkt, im übrigen als Parkplatz.

Nun liebe Leser, zurück zur Gesche Gottfried.

Gesche Gottfried
Gesche Gottfried

Gesche Gottfried wird als Gesche Margarethe Timm am 6. März 1785 in Bremen geboren. Ihr Vater ist ein einfacher Schneider, ihre Mutter eine Wollnäherin. Gemeinsam mit ihren Eltern und dem Zwillingsbruder Johann wächst Gesche in der Pelzerstraße auf, einer kleinen Seitenstraße parallel zur Obernstraße. (Heute steht dort das Parkhaus Mitte). Die Familie Timm ist sehr fromm und gläubig – neben der Schule ist der Religionsunterricht das Wichtigste in Gesches Kindheit. Schräg gegenüber von Gesches Elternhaus wohnt der Sattlermeister Johann Gerhard Miltenberg (Pelzerstraße 37). Miltenberg gehört zur wohlhabenden Oberschicht. Durch ihn gelingt es Gesche, aus einem ärmlichen Handwerkshaushalt in das begehrte Bremer Bürgertum aufzusteigen. Sie heiratet Miltenberg am 6. März 1806, dem Tag ihres 21. Geburtstags. Ob aus freien Stücken oder als Arrangement ihrer Eltern – das ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Miltenberg ist fünf Jahre älter als Gesche. Trotz seines jungen Alters ist er bereits Witwer. Seine erste Frau starb an Alkoholismus und der Schwindsucht.

Die Ehe mit Miltenberg

Gesches Ehe mit Miltenberg ist nicht glücklich. Sein Leben spielt sich mehr in Bremens Kneipen als in ihrem gemeinsamen Haus in der Pelzerstraße ab. Er trinkt zu viel Alkohol, verspielt das elterliche Vermögen und schlägt seine Frau. Zudem leidet er an Syphilis. Allein gelassen lernt Gesche einen anderen Mann kennen: den Weinhändler Michael Christoph Gottfried. Sie verliebt sich in ihn. Als Johann Miltenberg 1813 plötzlich stirbt, kann Gesche bald darauf ihren Geliebten heiraten. Sie ändert ihren Namen und heißt fortan Gesche Gottfried. Niemand in Bremen ahnt, dass sie zu dem Zeitpunkt bereits die ersten Morde begangen hat: Sie mischte Arsen ins Essen und vergiftete ihre Opfer .

Gesches Opfer und Motive

15 Giftmorde und 19 Versuche gehen auf ihr Konto. Das von Gesche mit Vorliebe benutzte Gift ist im 19. Jahrhundert als „Mäusebutter“ bekannt. Schmalz, mit Arsen versetzt, wird einfach auf Brot geschmiert, um Mäuse im Haus anzulocken und zu töten. Probleme mit Mäusen hatte auch Gesche. Ihre Mutter bringt sie mit einem Topf Gift und einer unbedachten Bemerkung darauf, die Wirkung von Mäusebutter an Menschen zu „testen“. Das erste Opfer von Gesche ist ihr Ehemann Johann Gerhard Miltenberg. Der leidet zwar schon an Syphilis, aber plötzlich stirbt er am 1. Oktober 1813 an anderen Beschwerden: Krämpfe, Erbrechen und starke Bauchschmerzen. Gesche und Miltenberg sind zu dem Zeitpunkt seit siebeneinhalb Jahren verheiratet. 1815 sterben in Gesche Gottfrieds Umfeld gleich fünf Menschen: ihre drei Kinder und ihre Eltern. Am 2. Mai stirbt die Mutter, am 10. Mai die dreijährige Tochter Johanna, am 18. Mai die sechsjährige Adelheid, am 28. Juni der Vater und am 22. September Gesches fünfjähriger Sohn Heinrich.

Merkwürdig viele Todesfälle

Alle Opfer leiden an Bauchkrämpfen und Erbrechen. Sie werden von Gesche bis zu ihrem endgültigen Tod gepflegt und umsorgt. In der Bremer Gesellschaft ist sie deshalb als „Engel von Bremen“ und als „große Dulderin“ bekannt. Es werden zwar immer wieder Gerüchte laut, dass die Häufung von Todesfällen doch etwas ungewöhnlich sei, aber dass Gesche ihre ganze Familie tötete, ahnt niemand. Gesche veröffentlicht sogar rührende Todesanzeigen in den „Bremer Nachrichten“ wohl wissend, dass sie für das Sterben in ihrer Familie selbst verantwortlich ist.

Gesche gab sogar Todes Anzeige auf.

„Am ersten dieses Monats endigte mein geliebter mir unvergesslicher Mann Johann Gerhard Miltenberg nach kaum vollbrachtem 33. Lebensjahre und im achten Jahre unserer vergnügt geführten Ehe, die mit vier Kindern gesegnet wurde, wovon ihm zwei vorangingen, seine irdische Laufbahn an einem hitzigen Gallenfieber. Überzeugt auch ohne Beleidsbezeugung, dass jeder, der ihn kannte, den Schmerz und die Tränen gerecht finden wird, die ich mit denen, die sich seines näheren Umgangs erfreuten, an seinem Sarge zolle, füge ich nur noch die Anzeige hinzu, dass die Geschäfte des Verewigten durch ein tüchtiges Subjekt fortgeführt und ich mich bestreben werde, dem Zutrauen derjenigen zu entsprechen, die mich mit ihren gütigen Aufträgen beehren werden.“

Das Morden geht weiter

1816 taucht Gesches Bruder Johann wieder auf. Der ehemalige Soldat galt lange als vermisst. Abgerissen und schwerkrank verlangt Johann seinen Anteil vom elterlichen Erbe. Den hat Gesche jedoch längst ausgegeben. Dies ist für sie Grund genug, auch Johann zu beseitigen.

Am 1. Juni 1816 kocht sie ihm eine Portion Schellfisch, den sie vorher mit Arsen „gewürzt“ hat. Johann stirbt noch am selben Tag.

Bald nach dem Tod ihres ersten Ehemanns kann Gesche ihre Affäre mit dem Weinhändler Michael Christoph Gottfried voll ausleben. Die Folge: Gesche wird schwanger. Gottfried lässt sich allerdings nicht so einfach überzeugen, die Witwe zu heiraten. So erhält auch er mehrere Male Gift und stirbt am 5. Juli 1817. Vorher hat er Gesche auf dem Totenbett doch noch geheiratet. Ihr gemeinsames Kind wird drei Monate später tot geboren.

„Kaum sind die Wunden geheilt, welche mir das Schicksal seit drei Jahren auf so mancherlei Weise bereitete, und der Schmerz überwältigt mich aufs Neue. Meinen mir seit wenigen Tagen angetrauten Gatten, Michael Christoph Gottfried aus Regensburg entriss mir der Tod am 5. dieses Monats durch eine Lungenentzündung. Und meine Hoffnungen auf irdisches Glück gehen damit verloren. Verwandte und Freunde, welche das Maß meiner vielfachen Leiden kennen, werden mir eine stille Träne des Mitleids nicht versagen.“

Zum dritten Mal den Mann verloren

In den nächsten Jahren bleibt es ruhig im Leben der Gesche Gottfried. Mittlerweile hat sie einen neuen Verehrer: den Bremer Modewarenhändler Paul Thomas Zimmermann. 1823 macht er Gesche einen Heiratsantrag. Sie willigt ein und die beiden verloben sich.

Doch Gesche wartet nicht lange, bis sie wieder zum Gift greift. Am 1. Juni 1823 stirbt auch Zimmermann, das mittlerweile neunte Opfer von Gesche Gottfried. Gesche bleibt nicht mittellos zurück: Der Modehändler hat sie in seinem Testament bedacht.

Gesche verteilt nun wahllos Gift

Was nun geschah, ist von Historikern bis heute nicht zu erklären: Gesche Gottfried geht dazu über, fast schon wahllos in ihrer Umgebung mit kleinen, nicht tödlichen Portionen Gift zu hantieren. Nach weiteren zwei Jahren findet Gesche ein nächstes Todes-Opfer: Anna Lucia Meyerholz, Klavierlehrerin und langjährige Freundin von Gesche Gottfried stirbt am 21. März 1825.

Opfer Nummer elf ist Gesches Nachbar Johann Mosees. Nachdem er sich ein Jahr lang mit fürchterlichen Schmerzen gequält hat, stirbt er am 5. Dezember 1825. Die erste Portion Gift bekam er bereits im September 1824.

Im Juli 1826 verkauft Gesche Gottfried ihr Haus in der Pelzerstraße. Der neue Eigentümer heißt Johann Christoph Rumpff. Gesche darf in dem Haus weiter wohnen und arbeitet als Haushälterin für die Familie. Nachdem einige Kindermädchen, Lehrer und Dienstmädchen von Gesche hin und wieder kleine Dosen Gift bekommen, stirbt am 22. Dezember 1826 Rumpffs Ehefrau Wilhelmine. Wenige Tage zuvor hatte sie ein Kind geboren.

Ihr letztes Opfer sucht sie in Hannover auf

Für den 15. Mord fährt Gesche nach Hannover, wo der Beschlagmeister Friedrich Kleine wohnt. Bei ihm hat sich Gesche Geld geliehen, das er im Juli 1827 zurückfordert. Das Gift nimmt Friedrich Kleine auf einem Schinkenbrot zu sich. Am 24. Juli 1827 stirbt er. Seine Kinder und das Dienstmädchen haben ebenfalls von den Broten gegessen, sie überleben knapp.

Wieder zurück in Bremen versucht Gesche nun endgültig, den neuen Besitzer ihres Hauses zu beseitigen. Johann Christoph Rumpff entdeckt allerdings im März 1828 „seltsame weiße Substanzen“ in seinem Essen. Er zeigt diese Krümel seinem Hausarzt Dr. Luce. Der stellt sofort fest: Im Essen ist Arsen.

Ein langes Warten auf den Tod

Am 5. März 1828 entdeckt Johann Christoph Rumpff auf einem Stück Speck eine „seltsame weiße Substanz“. Zusammen mit einem herbeigerufenen Nachbarn lässt Rumpff den Speck und die weißen Krümel von seinem Hausarzt untersuchen. Hausarzt Dr. Luce analysiert den Stoff als „chemisch und mit Arsenic vermischt“. Er benachrichtigt die Polizei.

„Den Tag kam Herr Doktor Luce vorgefahren und blieb eine geraume Zeit bei Herrn Rumpff. Du bist verraten, sagte mir mein Gewissen; Gott hat dieses so gefügt. Was tust du, gehst du hinunter, fällst Herrn Rumpff und Herrn Doktor Luce zu Füßen, bittest, dass sie dich nicht verraten?“

Bereitwilliges Geständnis

Am 6. März 1828 wird Gesche Gottfried in ihrem Haus verhaftet. Es ist ihr 43. Geburtstag. Der damalige Untersuchungsrichter und Senator Franz Friedrich Droste verhört Gesche in ihrem Wohnzimmer. Gesche beginnt mit den Worten: „Es hat mich schon lange danach verlangt, eine genaue Untersuchung über mich ergehen zu lassen. Es ist mir sehr lieb.“ Scheinbar kommt ihr also der Moment nicht so ungelegen.

Endlich gibt es für Gesche die Möglichkeit, über das, was sie getan hat, zu berichten. Sie wird erst in das Stadthaus am Domshof und später in das neue Detentionshaus am Ostertor gebracht. Gesche Gottfried ist der erste Häftling in der frisch eingerichteten Wache der Bremer „Polizey-Direktion“. Drei Jahre verbringt sie dort in einer Zelle mit Blick auf den Innenhof.

Jahrelange Haft

Fast täglich wird sie von den Senatoren Droste und Noltenius verhört. Gesche gesteht Mord für Mord. Droste geht es bei den schrecklichen Geschichten gar nicht gut: Gesches Angstvisionen und die Beschreibungen der einzelnen Taten setzen ihm zu. Er führt während der Ermittlungen ein Tagebuch. Leider ist dieses bis heute verschollen. Droste versucht aber auch, Gesche zu verstehen. Im Laufe der drei Jahre in Haft entwickelt sich zwischen den beiden ein sehr menschliches Verhältnis.

Kriminalisten in Aufruhr

Während der Befragung wird den Kriminalisten in Bremen schnell klar: Sie sind gerade dabei, eines der spektakulärsten Verbrechen aller Zeiten aufzudecken. Nie zuvor ist es jemandem gelungen, solche Taten über mehr als 15 Jahre geheim zu halten.

Nach den Vorschriften des Bremischen Gerichtswesens von 1820 ist es Gesche erst nach den Voruntersuchungen möglich, einen Anwalt zu beauftragen. Ein Bremer übernimmt diese Aufgabe: Friedrich Leopold Voget. Voget versucht durch Fragen über Gesches Leben nach den Gründen für ihre Taten zu suchen.

„Wie war ihre Kindheit? Bei wem ging sie zur Schule? Welches Verhältnis hatte Gesche zu ihren Eltern?“

Er veröffentlicht seine Berichte 1831 unter dem Titel: „Lebensgeschichte der Giftmörderin Gesche Margarethe Gottfried“

Bis zur Wiederentdeckung der Prozessakten 1987 galt dieses Buch als Standardwerk über Gesche Gottfried. Doch nach und nach kommen Zweifel auf: Es lässt sich zum Beispiel belegen, dass Voget aus den Akten und Protokollen der Verhöre absichtlich falsch zitiert hat. Der Expertenstreit um das Leben von Gesche ist also bei heute nicht beendet.

Nach drei Jahren wird ein Urteil gefällt

Nach drei Jahren Haft und fast täglichen Verhören spricht das Gericht in Bremen am 17. September 1830 sein Urteil: Tod durch das Schwert. Dieses Urteil wird am 6. April 1831 durch das Oberappellationsgericht in Lübeck bestätigt. Die Hinrichtung wird für den 21. April 1831 festgelegt. Gegen acht Uhr morgens spricht Senator Droste den entscheidenden Satz: „Der Stab ist gebrochen, das Urtheil ist gesprochen, Mensch, du mußt sterben!“.

Gesche Gottfried wird enthauptet.Es ist die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen. Mehr als 30.000 Menschen stehen auf dem Domshof und sehen zu. Der Menge wird der abgeschlagene Kopf der Mörderin präsentiert, in Spiritus eingelegt und ausgestellt. Ihr Skelett wird zunächst in einem Schrank aufbewahrt, später dann in das Pathologische Institut der Städtischen Krankenanstalt gebracht. Dort verbrennt es allerdings während des zweiten Weltkrieges.

Gesche wird durch das Schwert enthauptet

21. April 1831: Auf dem Bremer Domshof warten frühmorgens mehr als 30.000 Menschen auf die bevorstehende Hinrichtung. Schon drei Tage vorher war ihnen von der Bremer Polizei-Direktion mitgeteilt worden, wie sie sich zu verhalten hätten.

Endlich, gegen acht Uhr, fährt ein offener Wagen über die Ostertorstraße zum Dom. Darin sitzen Gesche Gottfried, Polizeikommissar Tönnies und ein Polizeidiener. Vor dem Dom steht eine schwarz angestrichene Holztribüne, auf der die Verurteilte Giftmörderin Platz nimmt. Noch einmal hört sie ihr Todesurteil. Verlesen wird es vom Untersuchungsrichter und Senator Droste. Ganz zum Schluss nimmt er einen Holzstab, zerbricht ihn und sagt: „Der Stab ist gebrochen, das Urtheil ist gesprochen, Mensch, Du musst sterben.“

Der letzte Akt

Gesche bekommt noch ein Glas Wein. Sie nimmt einen kleinen Schluck und gibt allen anwesenden Richtern noch einmal die Hand. Sie geht zum Schafott, wird festgeschnallt und beginnt leise zu beten. Nach ein paar Sekunden ist alles vorbei. Der Scharfrichter hat Gesche Gottfried enthauptet. Er zeigt der Menge den abgeschlagenen Kopf, der danach in Spiritus gelagert und in einem Museum am Dom öffentlich zur Schau gestellt wird.

Keine öffentlichen Hinrichtungen mehr in Bremen

Die Enthauptung von Gesche Gottfried ist die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen. Die Bremer Gesellschaft war der Ansicht, dass ein solches Spektakel nicht mehr zeitgemäß und angebracht war. Drei Tage nach dem Ereignis erscheint ein glühender Artikel im „Bremischen Veranstaltungsblatt“. Obwohl der Reporter Gesche Gottfried als ein „in menschlicher Gestalt einher geschrittenes Wesen“ bezeichnet, beschreibt er auch die Wandlung der Bremer Bürger gegenüber Gesche:

„Der Hass und das Gefühl der Rache entschlummerten und Mitleiden trat an die Stelle, als unser hoher Senat am 17. März das Wort ‘Tod’, zum ersten Mal nach 42 Jahren, aussprach.“

Bekanntmachun

Die am nächsten Donnerstag, den 21sten d.M. auf dem Domshofe, dem Stadthause gegenüber, zu vollziehende Hinrichtung, der bekannten Giftmischerin, Michael Christoph Gottfried Witwe, Gesche Margarethe, geborne Timm, und der zu erwartende große Andrang von Zuschauern, macht es der unterzeichnenden Behörde zur Pflicht, mit Genehmigung des Senats, nachstehende Ordnungs- und Sicherheits-Maßnahmen zur Nachachtung bekannt zu machen.

    1. Die Straßen, welche vom Gefangenenhause zum Richtplatze führen, so wie der Domshof und die angrenzenden Straßen und Plätze, von welchen aus die Hinrichtung gesehen werden kann, bleiben am Tage der Execution, bis nach Vollziehung derselben, für Karren, Wagen und Fuhrwerke aller Art, gleich wie für Reiter gänzlich gesperrt.
    2. Alle Inhaber und Bewohner der an diesen Straßen und Plätzen belegenen Gebäude werden, bei eigener Verantwortlichkeit, verwarnt, nicht zu dulden, dass auf den Dächern und an den Giebeln oder anderen Gefahr drohenden Stellen ihrer Gebäude Zuschauer Platz nehmen.
    3. Alles gewaltsame Eindringen in die Häuser oder Gebäude, welche am Executionsplatze oder in der Nähe desselben belegen sind, ist bei schwerer Strafe verboten, gleich wie auch das übermäßige Drängen, auf dem Executionsplatze selbst und dem Wege dahin, untersagt ist.
    4. Die von der bewaffneten Wache besetzten Punkte und namentlich der um das Schafott zu bildende Kreis sind genau zu beachten, und darf sich kein Zuschauer unterfangen in den Kreis einzudringen.
    5. Die Aeltern und Vorgesetzten werden ernstlich erinnert, ihre unerwachsenen Kinder von dem Executionsplatze entfernt zu halten und sie nicht unbesonnen der Gefahr auszusetzen, welche aus dem Zusammenschlusse einer großen Menschenmenge für die nothwendig entstehen muß. Auch werden Frauenzimmer und schwächliche Personen erinnert, sich nicht unter die Menge zu wagen.
    6. Die Zeit der Hinrichtung ist auf Morgens acht Uhr angesetzt, und ist zu dieser Zeit auf dem Wege vom Dtections-Gefängnisse durch die Oberthorsstraße bis zum Gradehause, die Mitte der Straße soweit frei zu lassen, dass der Wagen mit der Deliquentin ungehindert passieren kann.
    7. Niemand darf, bei ernster Ahndung, die Deliquentin auf dem Wege zum Richtplatze, oder auf dem Richtplatze selbst, auf irgend eine Weise instruieren, auch ist es bei schwerer Strafe verboten, dem Scharfrichter in der Ausrichtung der ihm übertragenen Execution zu hindern, oder falls solche, wieder Erwarten, missglücken sollte, sich an ihm oder seinem Gehilfen zu vergreifen.

Uebrigens wird mit Zuversicht erwartet, dass diese ernste handlung der Gerechtigkeit nicht durch Ausbrüche einer zügellosen Roheit werde gestört, sondern mit der geziemenden Ruhe und Ordnung werde vollzogen werden.

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