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St.Petri-Dom Der Brand im Domturm zu Bremen

  • 8 / August 2017
  • 18:07

Auf der Erhebung der Düne Errichtete 787 Bischof Willehard, der im gleichen Jahr von Karl dem Großem zum Bischof des neugegründeten Bistums berufen worden war, einen hölzernen Kirchbau, den Vorläufer des Doms. Sein Nachfolger Willerich lies einen ersten steinernen Bau errichten. Die Ausgrabungen 1974 - 1976 ergaben den Nachweis reger Bautätigkeit im 9. und 10. Jahrhundert, bis der Bau 1041 durch einen Brand weitgehend zerstört wurde. 1042 wurde unter Bischof Bazelin ein Neubau begonnen, der bereits den Abmessungen des heutigen Doms nahekam. Geplant war eine zweichörige Basilika mit darunterliegenden Krypten und einem westlichen, eine Apsis flankierenden Turmpaar. Nach der Überlieferung sollen Anregungen vom Dom zu Benevent empfangen worden sein . Erzbischof Adalbert Förderte den bau entscheident, 1068 weihte er die Westkrypta. Erzbischof Liemar führte den Bau fort, die Ostkrypta wurde vermutlich vor 1100 beendet. Zu Beginn des 13 Jahrhundert wurde mit dem Bau mächtiger Türme im Westen begonnen, in der 1. Hälfte des Jahrhundert der Dom eingewölbt. Damit hatte der Dom sein frühgotisches Gepräge erhalten.

Nachrichtlich Bericht, wie der Brand im Domturm zu Bremen am Montag, dem 4. Februario anno 1656 vom Blitz entstanden und was hernach geschah.

Von Rechtsanwalt Dr. Johannis Wachmann, Syndikus des Bremer Senats (von der Sprache des 17. Jahrhunderts ungekürzt und behutsam ins Hochdeutsche des 21. Jahrhunderts übertragen für das Bremer Geschichtenhaus von Bernd Ratfisch.)

Am Montag, dem 4. Februar, dem Namenstag der Veronika und genau 14 Tage vor Rosenmontag, herrschte früh morgens ein eisiger Sturm aus östlicher Richtung mit dichtem Schneefall. Der Wind zog somit vom Dom zum Rathaus, über den etwa 60 Schritt weiten freien Platz zwischen diesen beiden Gebäuden. Um halb neun Uhr, bei gleichbleibend hartem Sturm und kontinuierlichem Schneetreiben, gab es einen starken Blitz und zugleich ein kräftiges Donnergetöse, doch mehr passierte nicht. Wenig später klarte das Wetter auf, der Wind ließ an Stärke nach und drehte zudem nach Westen, so daß er nun vom Rathaus zum Dom strich. Auch Sonnenschein zeigte sich.

Bremer Dom in hellen Flammen

Bremer Dom in hellen Flammen

Kurz vor 12 Uhr wurde jedoch durch zwei Glockenschläge Feuer geläutet, denn es hatte sich herausgestellt, daß die schöne hohe Spitze des Domturms in hellen Flammen stand. Der Brand befand sich knapp oberhalb des Mauerwerks und war durch eine nach Westen zeigende Fensterluke deutlich zu sehen, außerdem quoll Rauch zwischen den Kupferplatten hervor und hüllte den Turm bis zum Knopf an seiner Spitze ein.

In aller Eile strömten die Leute zahlreich herbei, hatten aber keine Möglichkeit, helfend einzugreifen. Außerdem befürchteten viele Menschen den baldigen Einsturz des Turms. Das von der Hitze geschmolzene Blei lief inzwischen wie Wasser von der Spitze und sammelte sich in den Rinnen zwischen Turm und Kirchenschiff, von wo aus es sich auf den kleinen Domshof ergoss. (Anm.: der Domturm war mit Kupferplatten gedeckt, die mit Blei wasserdicht verlötet worden waren.)

Da nun die gesamte Spitze über dem Mauerwerk des Turms in Flammen stand und herab zu stürzen drohte, war es unmöglich, sich ohne offensichtliche Lebensgefahr dem Turm zu nähern, geschweige denn, sich gar ins Innere vorwagen, um eine Rettung zu versuchen. So haben viele tausend Menschen voller Schrecken diesem Spektakel hilflos zugesehen, einzig gebannt von der Frage, in welche Richtung der Turm wohl fallen möge.

Im Rathaus herrschte nicht nur in der Registratur, sondern auf allen Ebenen große Besorgnis. Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft zum Turm begannen in aller Hast, Inventar und persönliches Eigentum herauszuschleppen. Sämtliche Wasserspritzen aus dem Zeughaus und den vier Kirchspielen sind herbei gebracht worden. Sie konnten indes das Feuer nicht erreichen. Daher wurden sie auf dem Markplatz postiert, um nach dem Fallen der Turmspitze ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude möglichst zu verhindern. Die Pforten der Stadt wurden geschlosssen, und sämtliche Soldaten zusammen getrommelt.

Der Superintendent des Doms war am Morgen ausgefahren, um zu seiner Liebsten nach Stade zu reisen. Ehe er dann aber eine Meile (ca. 7,5 km) jenseits der Mauer zurückgelegt hatte, bemerkte er den Brand und kehrte unverzüglich in die Stadt zurück.

Der Senat hielt gerade eine Verhandlung ab, traf dann vor der Tür des Rathauses auf weitere Ratsherren und so erörterte man unter freiem Himmel, was zur Rettung getan werden könne. Sie ließen Wasser auf den Dachboden des Rathauses und einiger Nachbarhäuser - 15 - bringen, um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein. Die Herren suchten außerdem zuversichtlich nach einem Weg, den Rest der Turmspitze zu bewahren.

Da traf die Meldung ein, daß es auch in der Neustadt einen Brand gäbe. Die Überprüfung erwies schließlich, daß zwischen 7 und 8 Uhr im Ofen eines Bäckers tatsächlich ein Feuer ausgebrochen war. Allerdings war das längst gelöscht, als der Blitzschlag den Domturm traf.

Gegen halb ein Uhr wurde die Hitze im Turm so stark, daß sich das Kupfer unterhalb der Spitze zu wölben begann, wodurch an der Nord- und der Südseite Öffnungen entstanden. Bald darauf fielen gar ganze Kupferplatten zu Boden und erlaubten so den Blick auf die glühende Holzkonstruktion im Innern. Das Aufbrechen der Flanken des Dachs hatte zur Folge, daß sich bald brennende Balken lösten, und funkensprühend in die Tiefe sausten. Immer mehr Kupferteile lösten sich daraurfhin vom Turm und fielen herab, bis einige Bereiche des Dachs gar keine Abdeckung mehr aufwiesen. Dieser Umstand schwächte den Holzstuhl derart, daß sich die Spitze bald in die eine, dann in eine andere der vier Himmelsrichtungen zu neigen begann

Der Brand im Domturm zu Bremen

Dann endlich, um Viertel vor Eins, schien es, als hebten die Flammen die übriggebliebene Spitze ein wenig in die Höhe. Anschließend sackte sie zur Seite weg und wurde in südlicher Richtung hinunter geworfen. Sie landete am Ende quer auf Gewölbe und Dach des Kirchenschiffs, und zerbarst beim Aufprall in mehrere Trümmerstücke. Dies beschädigte das Kirchendach, worauf der Dachstuhl rings um die Aufschlagstelle ebenfalls aufloderte. Die obere Spitze mit ihrem charakteristischen Knopf landete zweigeteilt auf dem kleinen Domshof. Der Knopf prallte nämlich im Fallen gegen das Dach eines Nachbarhauses und hinterließ dort ein Loch, ehe er auf die Gasse polterte. Das Gestänge der Spitze wiederum spießte sich in die Mauer, die um den kleinen Domshof verläuft, und kam mit ihrem unteren Ende etwa einen Fuß über dem Erdboden zu liegen.

Die Reste der Dachlatten auf dem Turm schienen nun das Aussehen eines Galgens anzunehmen und standen weiterhin lichterloh in Flammen. Sie stürzten nach einer Weile hinab in das Innere des Turmgemäuers. Dort loderte der Brand des Holzes unverändert weiter.

Der Zeiger der Uhr war auf Viertel vor 12 stehen geblieben. Nach ein Uhr versetzte es den Zeiger jedoch auf die Stellung Viertel vor Zwei, anschließend rückte er auf ein Uhr. Augenzeugen berichteten, der Zeiger habe in dem Moment eine volle Umdrehung gemacht und die Uhr habe außerdem Zwölf geschlagen. Was allerdings genau mit den Glocken geschehen war, blieb vorerst ungeklärt. Man kann wohl davon ausgehen, daß sie in der Feuersbrunst geschmolzen sind.

Das an die Nordseite des Domturms angebaute Haus war stark beschädigt worden, aber auch andere Häuser im Umkreis wurden durch herabfallende Latten und Trümmer in Mitleidenschaft gezogen.

Das Innere des Kirchenschiffs mitsamt der Orgel und dem Gewölbe wie auch dem hohen Chor und dessen Gebälk wurde durch durch die Tatsache gerettet, daß der hohe Chor einen besonderen Giebel besitzt, sowie durch Gottes Gnade. Viele Bürger und Schiffsleute hatten sich nach dem Einsturz der Turmspitze in das Kirchenschiff gewagt, und Löscharbeiten verrichtet, oder gerettet, was zu retten war. Dazu kam, daß am Kirchenschiff die Wasserspritzen endlich gute Dienste leisteten. Da die Flammen die Dachbalken des hohen Chors erreicht hatten, ließ man lange Leitern heranschaffen. Etliche Bürger und Soldaten trugen nun die Ledereimer vom Boden des Rathauses herbei und löschten damit Brandherde im Gewölbe der Kirche. Eine andere Gruppe wiederum hieb glühende Balken mit der Axt - 16 - heraus und trug sie hinaus. Der Brand hinter den Mauern des Turms indes loderte derart heftig, daß dort keine Rettungsarbeiten möglich waren.

Der Rat der Stadt versammelte sich um zwei Uhr erneut, um aktuelle Befehle auszugeben. Am Abend wurden 4 Kompanien Bürgerwehr auf dem Rathaus versammelt, die teilweise gegen 7 Uhr in den Dom kommandiert wurden, um wieder gegen das Feuermeer vorzugehen. Da der Wind zwischenzeitlich nach Südost gedreht hatte, wurden die Brände im Kirchengebäude und im Turm erneut angefacht, wodurch Funken und rotglühende Sparken aus dem Turm geweht wurden. Diese senkten sich nun haufenweise über dem Quartier des königlich schwedischen Stadtvogts, das sich in unmittelbarer Nähe des Rathauses befand. Rund um den Dom und dem Domshof hörte man von allen Seiten pausenlos laute Rufe nach mehr Wasser und mehr Licht.

Der Senatspräsident hatte die Ratsherren am späten Abend zu sich rufen lassen, und ging mit den Herren zum Dom und zum Domshof, um die ordnungsgemäße Durchführung der Arbeiten zu prüfen. Dazu sprach er die Stadtobristen, Majore, Zeugmeister und sonstigen Offiziere an. Außerdem stellte er den Helfern seinen mit einem Pferd angeschirrten Einspänner zur Verfügung, um Meldungen schneller austauschen zu können. Auf den Plätzen am Rathaus und rund um den Dom wurden brennende Pechkränze aufgehängt.

Vier Ratsherren blieben die ganze Nacht als Wache bei den Bürgern auf dem Rathaus. Am darauf folgenden Tag, Dienstag dem 5., waren gottlob alle Feuer erstickt - ohne den Verlust eines einzigen Menschenlebens! Soweit es der frühe Überblick erlaubte, gab es nichtmal ernstlich Verletzte zu beklagen. Die Schrecken der Gefahr, welcher sowohl die Rettungskräfte, alsauch die Anwohner der Domgegend durch den Brand ausgeliefert waren, lähmte die Bremer allerdings für lange Zeit.

Wir haben für Gottes zu allen Augenblicken spürbare allerhöchste Macht und sein wunderbares Geschick von ganzem Herzen zu danken. Trotz seines offenkundigen Zornes ließ er dennoch soviel Gnade walten, ein größeres Unglück abzuwenden. Wie leicht hätte doch Tumult und Unordnung entstehen können, etwa, wenn der Brand nicht tagsüber, sondern mitten in einer schwarzen Sturmnacht ausgebrochen wäre.

Am Mittwoch, dem 6. Februar, ließ sich bei gutem Wetter und schönstem Sonnenschein, jedoch bei frostigen Temperaturen, um drei Uhr nachmittags ein Storch über der Stadt blicken und drehte über dem Liebfrauen Kirchhof etliche Runden. Gott gebe, daß der ungewöhnliche Besuch dieses Sommergastes zur Winterszeit kein böses Omen sein möge.

Anmerkung: Am 4. Februar 1656 „alten Kalenders“ ging die Sonne in Bremen gegen halb acht Uhr auf und gegen 17 Uhr unter.

Wachmann, Johann(is): (1592 - 1659) Bremer Rechtsanwalt, Syndikus des Senats und Diplomat. Nahm u.a. 1648 an den Friedensverhandlungen in Osnabrück teil. Er war maßgeblicher Initiator des Erwerbs der Reichsunmittelbarkeit Bremens und damit des Linzer Diploms. Als Syndikus des Senats bezeichnete man (bis 1921) den höchsten Beamten der Stadt, Berater und Verhandlungsführer des Senats in Rechtsfragen und bei diplomatischen Aktivitäten.

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