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Das Leben Gesche Gottfrieds bis zu ihrer Verhaftung

  • 22 / Februar 2018
  • 16:52

Bremen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts

Schlachtenlärm läutete das neue Jahrhundert ein, und halb Europa war beteiligt, wurde überrollt von Napoleons Truppen. So blutig war es auf deutschem Boden seit dem Dreißigjährigen Krieg und dem Siebenjährigen Krieg nicht mehr zugegangen. Bremen kam noch glimpflich davon: Die Wirtschaft der Stadt profitierte anfangs gar durch Warenlieferungen an das Militär. 1806 wurde die Stadt ohne große Kämpfe zuerst von britischen, dann von französischen Truppen besetzt, 1810 zusammen mit dem gesamten norddeutschen Küstenbereich dem französischen Kaiserreich angeschlossen, um, wie es hieß, »dem französischen Handelskrieg gegen England eine entscheidende Stärkung zu verleihen«. Drei Jahre stand Bremen unter französischer Herrschaft, ehe die Stadt 1813 von Truppen der Alliierten befreit wurde. Zwei Jahre später, im Sommer 1815, war Bremen als selbstständiges Mitglied in dem auf dem Wiener Kongress gegründeten Deutschen Bund< vertreten und gehörte fortan neben Hamburg, Lübeck und Frankfurt am Main zu den >vier freien Städten< Deutschlands.

Das eigentliche Stadtgebiet Bremens umfasste zu der Zeit kaum mehr als den heute durch die Wallanlagen umschlossenen Innenstadtbereich mit einer auf der gegenüberliegenden Weserseite noch recht kleinen Neustadt. Heutige Stadtteile wie Schwachhausen, Hemelingen oder Walle waren entfernt liegende Dörfer, und nur zögernd siedelten sich die Bremer außerhalb der Stadt, in den sogenannten Vorstädten an. Wer uns heute von einem >schönen alten Bremen< in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fabelt, mag, in subjektiver Verzückung, vielleicht das Stadtbild und die Bewohner um den Marktplatz im Sinn haben, das Leben der durch allerlei >bürgerliche Vorrechte< begünstigten Oberschicht jener Zeit also, übersieht dabei jedoch, dass dieser Schicht nur etwa ein Siebentel der Bremer angehörte. Sie besaßen das große Bürgerrecht, Vermögen über 5000 Reichstaler (ein Zigarrenmacher etwa verdiente ungefähr 200 Reichstaler im Jahr), waren Senatoren, Geistliche, wohlhabende Ärzte oder Großkaufleute und lebten in Wohlstand und Bequemlichkeit (soweit denn überhaupt von einem solchen Leben zu der Zeit gesprochen werden kann) in den Straßen um den Marktplatz, den Domhof bis zum Wall, Domsheide, in der vorderen Obern- und Langenstraße etwa. Entsprechend drückten die Häuser dieser Straßen Wohlstand aus.

Je näher die Straßen jedoch dem Stephaniviertel zu liefen, desto deutlicher veränderte sich das Bild: wohlhabendere Handwerksmeister mit ihren Betrieben zunächst noch, dann kleinere Handwerker, kleine Krämer und schließlich, im Stephaniviertel selbst, die Unterschicht und die Ärmsten der Armen. Hier wohnten die Arbeiter oder wer gänzlich ohne Einkünfte war. Über ein Viertel der etwas mehr als 40.000 Einwohner zählenden Stadt gehörte dieser Schicht an, die in erbärmlichsten Verhältnissen mehr dahinvegetierte als lebte. Das Armenhaus befand sich hier, auch das Gefängnis, das sogenannte Zucht- und Werkhaus. Es waren die Elendsviertel von Bremen. Hierher verirrte sich kaum ein Maler, diese Teile der Stadt wollte niemand illustriert sehen. Auf den Straßen und in den Häusern herrschten, wie auch in einigen Teilen der Neustadt, katastrophale Verhältnisse. »Höhlen des Jammers, des Elends und der tiefsten Verworfenheit«, nannte der Bremer Arzt Phillip Heineken 1837 die Lebensverhältnisse dieser Menschen: »Auf feuchtem, oft ungedieltem Fußboden bilden sich die Bewohner auf halb verfaultem Stroh in der Ecke ein Lager, auf welchem, den Tieren gleich, Alt und jung, Mann und Weib bunt durcheinander ruhen. Der Ekel erregende Schmutz hat hier seine Hütte aufgeschlagen und herrscht in den Häusern, wie in den Gang selbst.«
Das Straßenbild der Altstadt war, im Gegensatz zur Neustadt, wo es auch breit angelegte Straßen gab, von Enge geprägt, verwinkelt und krumm. Das mag uns heute idyllisch vorkommen, aber, wie Heineken schrieb, »den Bedürfnissen einer so stark wie Bremen befölkerten Stadt entspricht das nicht.Die Straßen waren oft durch einen einzelnen Wagen so ausgefüllt, dass selbst den Fußgängern der Durchweg erschwert ist.« Die nächtliche Beleuchtung geschah durch Öllampen, die in einem Abstand von ungefähr dreißig Metern an quer über die »Gassen in angemessener Höhe« gespannten Ketten hingen. Es gab zwei Zeitungen in der Stadt: Die Bremer Wöchentlichen Nachrichten< erschienen zweimal in der Woche, jeweils montags und donnerstags. Sie waren ohne redaktionellen Teil und bestanden aus amtlichen Mitteilungen, geschäftlichen und privaten Insertionen. Die Bremer Zeitung< hingegen erschien täglich und hatte einen ausführlichen redaktionellen Teil. Bremische Politik jedoch durfte aufgrund der damals üblichen strengen Vorzensur nicht besprochen werden. Und so war diese Zeitung auch mehr eine »Chronik, besonders der ausländischen Ereignisse«. Die Lebensader Bremens war die Weser, der Hafen an der Schlachte mit seinen Kränen und Winden, den Packhäusern und Kontoren. Neben der immer größer werdenden Auswanderungswelle nach den USA und Brasilien war es vor allem der Seehandel mit England, Frankreich, den USA und Ostasien, der der bremischen Schifffahrt gute Gewinne einbrachte. Vielfältige Zoll- und Handelsbeschränkungen jedoch, besonders aber die zunehmende Weserversandung, machten der Bremer Schifffahrt schwer zu schaffen.

 

Die großen, tiefgehenden Seeschiffe konnten Bremen nicht mehr anlaufen, und so mussten bei Brake die Waren von diesen Schiffen umständlich auf sogenannte Leichter umgeladen werden, flachgehende Schiffe, auf denen dann die Waren zum eigentlichen Umschlagort weitertransportiert wurden, dem Bremer Hafen an der Schlachte. Diese immer problematischer werdenden bremischen Hafenverhältnisse- zeitgenössische Berichte sprechen gar von einer für Bremen lebensbedrohlichen Situation -führten schließlich 1827 zum Erwerb eines Stücks hannoverschen Landes an der Außenweser zum Bau eines bremischen Seehafens dort. Es war die Geburtsstunde Bremerhavens. Obgleich diesem Landerwerb ungeheure Schwierigkeiten vorausgingen und er nur durch persönliche Anstrengungen Einzelner realisiert werden konnte, stieß das Projekt in den höheren Ständen keineswegs auf eine breite Zustimmung. Und während die Bremer eifrig mehr das Wider als das Für eines solchen Hafens debattierten, Kosten gegen Nutzen rechneten, da wurde in der Stadt ein Kriminalfall aufgedeckt, der sie aufs Tiefste und Nachhaltigste erschüttern sollte und der in seiner Beispiellosigkeit in Deutschland, Europa und Übersee ungeheures Aufsehen erregte.

 

 

 

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