Die Schlachte

Die Schlachte – Bremens Uferhafen an der Weser

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Während im 13. Jahrhundert der Hafenumschlag noch ganz im Ufermarktgeschehen an der Balge aufging, bezog auch die mit einem deutlichen Abstand zur Weser verlaufende Stadtmauer bald die Balgeinsel ein, was eine schnelle Besiedlung der zwischen Marktplatz und Weser gelegenen Flache nach sich zog.

Da auch die Speicherkapazität an der Balge begrenzt war, verlagerte sich zunehmend das Umschlagsgeschäft an den Uterstreifen der Weser, der sich «slait» oder «Schlachte» nannte.

Diese Bezeichnung stammt von den zur Befestigung des Weserufers in den Untergrund eingeschlagenen Pfahlen, die eine Balken- und Faschinenkonstruktion als Uferbefestigung aufnahmen. Schnell wurde dieser zunächst 100 m lange und vor den Toren der Stadt liegende Uferstreifen an der Weser bebaut

Die Ausweitung des Handels in Nord- und Ostsee war auch eine Folge des Bevölkerungswachstums, das seit der Jahrtausendwende eingesetzt hatte. Immer mehr Städte entstanden, in denen sich neben Handwerkern, Fernkaufleute niederliessen, die begannen, den nordwesteuropäischen Handelsraum immer weiter auszudehnen.

Indem die Kaufleute nunmehr nicht mehr selbst zu Handelsfahrten aufbrechen mußten, sondern sich durch Kommissionäre vor Ort vertreten ließen entstanden erste Formen des modernen Fernhandels mit schriftlichen Kontrakten, Wechsel- oder Schuldbriefen. Die Anstieg des Handelsvolumens und die zu Überwindenden Entfernungen brachten auch eine neuen Typ von Frachtschiff hervor: die Hansekogge.

200 Jahre dominierte dieses neuartige Großlastschiff den hanseatischen Fernhandel. Die nußschalenförmige Kogge (von germanisch »coccho« rund) , die einen durchschnittlichen Frachtraum von ca. 80 t besaß, hatte einen Tiefgang beladen von ca. etwa 2 Metern und erforderte daher ein Hafenbecken und eine Hafenzufahrt, die bei voller Zuladung eine Tiefe von ca. drei Metern aufweisen mußte.

Das Navigieren diese neuen Großlastschiffes im Fluß und im Hafen fand mit Hilfe von Beibooten statt, da ein Setzen des Rahsegels dort kaum möglich war. Häfen wie die Balge, konnten ebenso wie der bekannte Hafenort Haithabu bei Schleswig oder später Brügge in Flandern mit dem Bau größerer Schiffe nicht mithalten und büßten ihre jahrhundertelange Umschlagsfunktion vollständig ein. Bremen besaß mit der stadtnahen Weser eine Alternative,

So dass die Hafenaktivitäten sich an das tiefe Wasser der Schlachte verlagerten. Während die Balge weiterhin im Zentrum der Stadt als Binnen- und Leichterhafen fungierte, entwickelte sich der Schlachtehafen zum zentralen Bremer Umschlagsplatz.

Zunehmend handelten Bremer Kaufleute mit Massengütern des täglichen Bedarfs wie Getreide, Salz, Bier, Fisch, Holz, Woll- und Rauchwaren. Besonders im Korngeschäft und abnehmend im Bierexport hatten sich die Bremer, deren Handelspartner vornehmlich rund um die Nordsee in England, Norwegen oder Jütland beheimatet waren, im Spätmittelalter einen Namen gemacht. Als Rückfracht brachten die Bremer den als Fastenspeise beliebten Hering oder Kabeliau aus Norwegen und später aus Island mit an die Weser.

Die Zunahme und Ausweitung des Handels machte schon bald eine Erweiterung der Schlachte erforderlich. Die pfahlwerkartige Holzkonstruktion, die am Ufersaum des Hafens verlief, wurde auf ca 400 m bis zur Höhe des Fangturms ausgebaut, während der Umschlagsplatz bald eine Breite von bis zu 40 m landeinwärts erhielt.

Eine hölzerne Kaienwand ersetzte bald die Balken- und Faschinenkonstruktion am Hafenufer. Auch beanspruchte der Nachfolgetyp der Hansekogge, der Holk, aufgrund seiner größeren Abmessung eine größere Wassertiefe, so dass er teilweise nicht mehr am Uferhafen anlegen konnte, sondern auf Reede in der Weser ankernd mit Leichtern entladen werden mußte.

Spätestens im 15. Jahrhundert war die Schlachte auch mit einfachen zweiarmigen Hebelkränen, den Wippen, ausgestattet worden. Große Tretradkräne, die aus Brügge oder Stade bekannt sind, kamen in Bremen zu jenem Zeitpunkt nicht zum Einsatz.

Analog zur Stadtbebauung, die immer näher an die Schlachte heranrückte, schob sich auch die Stadtmauer immer weiter an den Fluß heran. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fand eine Modernisierung der Schlachte statt, indem eine steinerne Kaimauer errichtet wurde und oberhalb der Weserbrücke als Ersatz für die stillgelegte Balge ein Hafen für Binnenschiffe entstand: die «Kleine Schlachte».

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