Die Pest in Bremen. Wie Ärzte im Mittelalter die Pest bekämpften

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Ganz Europa zitterte im Mittelalter vor ihr: Die Pest (lat. Seuche). Der “schwarze Tod” brachte in der ersten großen Seuchenwelle von 1347 bis 1352 mehr als 25 MillionenMenschen den Tod – rund ein Drittel der europäischen Bevölkerung!

Heute wird die Pest mit Antibiotika behandelt – eine Möglichkeit, die den Ärzten im Mittelalter nicht zur Verfügung stand. Sie griffen zu angeblichen Wundermitteln, u.a. aus Opium, Entenblut und Vipernfleisch, versuchten die Pest durch starke Duftstoffe auszuräuchern oder ließen die Kranken zur Ader.

 

 Die Pest in Bremen

JahrTote
13507000
15771500
162710000
1655/561600 (davon 1656: 920)
166762
171215

Was ist die Pest?

Die Pest ist eine hochgradig ansteckende, bakterielle Infektionskrankheit.

Wodurch wird die Pest ausgelöst?

Die Pest wird bei Mensch und Tier durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst. Dieses Bakterium, eine Mutation des für den Menschen relativ ungefährlichen Bakteriums Yersinia pseudotuberculosis, ist sehr anpassungsfähig.

Wie wird die Pest übertragen?

Die Pest kann auf verschiedene Weise übertragen werden, z. B. durch den Biss infizierter Insekten wie Flöhen oder durch Tröpfcheninfektion.

Wie gefährlich ist die Pest?

Etwa 50 bis 90 Prozent der unbehandelten Fälle von Pest verlaufen tödlich, da die Erreger durch in Blutgefäße eingebrochene Pestbeulen in die Blutbahn übertreten und so eine Blutvergiftung (Pestsepsis) hervorrufen können.

Wie lange dauert es, bis die Pest ausbricht?

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Pest (Inkubationszeit) beträgt bei der Lungenpest wenige Stunden bis drei Tage, bei der Beulenpest zwei bis sechs Tage.

Gibt es verschiedene Arten der Pest?

Es gibt zwei Hauptformen der Pest: die Beulenpest und die Lungenpest. Unbehandelt verläuft sie in der Regel tödlich.

Was ist die Beulenpest?

Die Beulenpest wird durch den Biss eines infizierten Flohs übertragen. Auch bei direktem Kontakt mit infizierten Nagern kann es zu einer Infektion kommen. 50 Prozent der Beulenpestfälle enden tödlich, wenn keine Behandlung erfolgt.

Welche Symptome treten bei der Beulenpest auf?

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis sechs Tagen treten die ersten Symptome auf: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Benommenheit und ein schweres Krankheitsgefühl. Schmerzhaften Beulen die bis zu zehn Zentimetern Größe anschwellen können. Nachdem sie eitrig eingeschmolzen sind, können sie als Geschwür zerfallen. Brechen die Beulen auf oder werden sie künstlich geöffnet, ist eine Heilung möglich.

Was ist die Lungenpest?

Bei der Lungenpest gelangt das Bakterium mit feinen Tröpfchen aus der Atemluft von Mensch zu Mensch. Sie verläuft fast immer tödlich – oft binnen 24 Stunden.

Groteske Arbeitskleidung der Pestärzte: Ein luftundurchlässiges Ledergewand mit schnabelartiger Maske. In dem Schnabel befanden sich mit Essig getränkte Schwämme und geruchsintensive Kräuter, die die eingeatmete Luft filtern sollten. Auf den Masken befanden sich Glasaugen, zudem trugen die Ärzte Handschuhe.

Wo kommt die Pest heute noch vor?

Auch heutzutage gibt es Fälle von Pest: Vor allem in Teilen Asiens (zum Beispiel Russland, Kasachstan, China, Indien, Vietnam), Afrikas (zum Beispiel Kongo, Madagaskar, Tansania) und Amerikas (zum Beispiel Südwesten der USA) kommt es immer noch zu örtlich begrenzten Pesterkrankungen. Heilungsversuche entsprangen der Verzweiflung – schließlich kannte niemand die genaue Ursache der Infektionskrankheit. Manche sprachen von der strafenden Hand Gottes für sündhaftes Leben, für andere waren Gifte schuld, die nach Erdbeben aus dem Boden austraten. Wieder andere sahen die Pestausbrüche als die Antwort der Natur auf die zu große Bevölkerungszahl, die so gemindert wurde.

 

„Jeder Tag war ein Fest, und was jetzt?
Pest, die Pest!
Nur ein groß’ Leichenfest, das ist der Rest.“

Heilungsversuche entsprangen der Verzweiflung – schließlich kannte niemand die genaue Ursache der Infektionskrankheit. Manche sprachen von der strafenden Hand Gottes für sündhaftes Leben, für andere waren Gifte schuld, die nach Erdbeben aus dem Boden austraten. Wieder andere sahen die Pestausbrüche als die Antwort der Natur auf die zu große Bevölkerungszahl, die so gemindert wurde.

Im 16. Jahrhundert einigte man sich darauf, dass die Pest wohl aus einer Mischung aus schlechter Luft, verdorbenen Speisen, faulem Wasser, ungünstigen Stern- und Planetenkonstellationen und einem Ungleichgewicht der vier körpereigenen Säfte (Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle) entstanden sei. Als Schuldige machte man Krüppel, Bettler, Hexen, Leprakranke oder Totengräber aus.

Körpersäfte in Ordnung bringen

Da durch die Pest angeblich die „Säfte des Körpers“ in Unordnung geraten waren, behandelte man die Kranken auch mit Aderlassen (um das „Pestgift“ vom Herzen abzuhalten), Abführen und Erbrechen (Purgieren) und durch diätetische Maßnahmen (Ernährungsumstellung), die die Säfte wieder in Einklang bringen sollten.

Ausräuchern

 

Weil die Ärzte hofften, durch Ausräuchern der Pest vorzubeugen bzw. sie zu behandeln, empfahlen sie Räucherungen (der Wohnstätten und auch der Menschen). Aus Rosen oder Rosenwasser, Quitten, Kampfer und Gewürznelken (wegen ihres Gehalts an ätherischen Ölen), Enzianwurzel, Kassiaholz oder Zitronenkörnern sollte Rauchpulver gemacht werden. Zudem sollten die Menschen Wacholderbeeren kauen und im Mund behalten. Die ärztlichen Tipps waren auch nach sozialen Schichten getrennt, so sollten arme Leute Eichenlaub, Seeblumen, Salbei, Lorbeer, Lavendel, Raute, Wermut, Melisse, Brunnenwasser und ein wenig Essig nehmen. Reiche sollten es mit Sandelholz, Zitronen und Pomeranzenschalen, Paradiesholz und Sauerampferwasser versuchen. Die Hauptsache war: Es sollte wohlriechend sein.

Wundermittel

Ärzte setzen ihre Hoffnungen auch in angebliche Allheilmittel wie Theriak bzw. Mithridat – Kräutermixturen aus Anis, Fenchel und Kümmel, die im Laufe der Zeit und je nach Anwender aus bis zu 54 Zutaten bestehen konnte, darunter aus Entenblut, Vipernfleisch oder Opium. Auch heilende Tonerde (lemnische Erde, lat. boleus armenus) und Essigeinreibungen sollte die Bevölkerung anwenden.

Pestpillen

Auch sogenannte Pestpillen kamen zum Einsatz. Sie konnten bis zu 14 verschiedene Bestandteile haben, u.a. Aloe, Myrrhe, Safran, das Allheilmittel Theriak, Rhabarber oder Heilerde. Als Hauptheilmittel galt auch Engelwurz bzw – 21 -Angelika, das in Klostergärten in ganz Europa angebaut wurde. Ärzte kauten Angelikawurzel, um sich während Seuchenepidemien vor Ansteckung zu schützen.

Flucht

Als einzig sichere Präventivmaßnahme galt: Fliehen. Ein gefährlicher Trugschluss – denn dadurch verbreitete sich die Pest erst recht und wurde zur Pandemie, d.h. einer Epidemie, die sich über Ländergrenzen hinweg ausdehnte.

Aberglaube

Die Menschen flüchteten sich in ihren Aberglauben, trugen z.B. Amulette, die die Pest anziehen sollten, damit sie sich nicht auf den Menschen überträgt. Zudem bereiteten sie sich Salben, Umschläge, Saucen, Essenzen oder Tinkturen zu, etwa aus roten Korallen, denen magische Heilkräfte zugeschrieben wurden. Hatten sich bereits Pestbeulen gebildet, sollten schmerzlindernde Umschläge mit Salbe und Storchenfett gegen diese helfen – bis die Pestärzte in ihren merkwürdigen Gewändern und der Schnabelmaske (enthielten ebenfalls Kräuter zum Schutz vor Übertragung) erschienen, um die Beulen zu öffnen und Eiter und Blut ablaufen zu lassen.

Wie versuchte man im Mittelalter, der Pest vorzubeugen?

Fremde und Kranke kamen bis zu 40 Tage in Isolation bzw. Quarantäne, um eventuelle Übertragungsmöglichkeiten zu vermeiden. Und obwohl die Ursache der Infektion ungewiss war, bekam die Bevölkerung von Ärzten hygienische Verhaltensregeln und Ernährungstipps mitgeteilt. Zudem gab es Empfehlungen für Arzneimittel und Maßregeln für den Umgang mit Pestkranken, die auf „Pesttäfelchen“ in Apotheken aushingen.

Hygieneregeln gegen die Pest

  • eder Bewohner war angehalten, sich morgens, mittags und abends mit in Flie eressig oder Kamillenwasser getränkten Schwämmen zu reinigen. Das war keineswegs Normalität, im Mittelalter wuschen sich die Menschen oft tagelang nicht.
  • Die Häuser sollten mit wohlriechenden Hölzern beräuchert und die Gemächer sauber gehalten werden.
  • Die Menschen sollten Maß halten beim Essen und Trinken. Die Gerichte sollten gut gesalzt werden, zudem sollten Meerrettich, Senf, die Heilpflanze Angelika und Wermut-Öl zum Essen gereicht werden (Ausräucherung). Wichtig war es, den Mund danach gut auszuspülen. Auf Schweinefleisch oder rasch faulende Lebensmittel wie Milch und Obst, abgestandenen Fisch bzw. Fleisch und starken Wein sollte verzichtet werden.
  • Koch-, Seifen- und Abwasser sollten nicht einfach so in die (unkanalisierten) Gassen geschüttet werden (sondern in den Fluss).
  • Hunde, Schafe, Schweine und andere Haustiere sollten zweimal wöchentlich gebadet, die Ställe sauber gehalten werden.

„Nur ein groß’ Leichenfest, das ist der Rest.“

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